Caroline Brünen

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Zuhören als fotografischische Praxis

Caroline Brünen studierte Künstlerische Fotografie an der Kunsthochschule für Medien und schloss 2023 ihr Studium ab.

Ihre fotografischen Arbeiten sind dokumentarisch angelegt und beschäftigen sich mit Fotografie im Zusammenspiel mit Text. Wiederkehrendes Motiv in ihren Projekten ist der Dialog mit ihren Protagonist*innen über gängige Klischees, Körperbilder und Machtstrukturen; und der Versuch der Dekonstruktion. Außerdem erforscht sie menschliches Zusammenleben mit architektonischen Strukturen. Ihr Interesse gilt hier besonders flows und Fragmentierung im Hinblick auf die Klimakrise. Auf verschiedene Weisen macht sie in all ihren Projekten ihre Rolle als Fotografin und ihren subjektiven Blick sichtbar. Ihre Arbeiten wurden bereits im Goethe-Institut in Paris, im Kunsthafen Köln und zuletzt im Glasmoog in Köln ausgestellt.

"Mein Name ist Caroline Brünen. Ich bin Künstlerin und ich arbeite mit Fotografie in Kombination mit Text und manchmal mit Audio. Ich arbeite dokumentarisch mit analoger Fotografie und in meinen Arbeiten beschäftige ich mich immer wieder mit Körper, mit Rollenerwartungen, mit Machtgefügen, mit Klischees, die ich in verschiedenen Arten versuche zu dekonstruieren und dann wieder zusammenzusetzen.
Ich habe meine Diplomarbeit über Zuhören als Möglichkeit fotografischer Praxis geschrieben, weil ich gemerkt habe, dass ich mich mehr mit meiner eigenen Positionierung auseinandersetzen möchte, weil der Fotografie haftet einfach ihre Geschichte an von Rassifizierungen, von Objektifizierung, von Ausbeutung. Und ich habe gemerkt, dass ich mich damit auseinandersetzen muss, wenn ich mit Fotografie arbeiten möchte – wie ich eigentlich sehe und aus welcher Perspektive ich sehe oder auch gucke, wie ich als Fotografin oder als Künstlerin mit meinen Protagonist*innen in Beziehung trete:
Wie kann ich dafür sorgen, dass es irgendwie einen Austausch gibt, dass ich nicht nur nehme und nicht diese Geschichte der Ausbeutung fortführen?

In meinem Abschlussprojekt habe ich mich mit Sexismus in der Medizin beschäftigt, im Speziellen in der Gynäkologie, weil die Mythen rund um den weiblich gelesenen Körper interessiert haben, die sich tief in die Wissenschaft eingeschrieben haben.

Ich wollte mich aber nicht im strengen Sinne geschichtlich mit Hysterie oder so beschäftigen, sondern ich habe mich gefragt: Was hat das heute noch für Auswirkungen? Und deswegen habe ich dann mit sieben Personen gesprochen, die Erfahrungsberichte mit mir geteilt haben – über Erfahrungen von Machtmissbrauch, von Übergriffigkeiten sowohl verbal als auch körperlich bei Gynäkolog*innen. Und es ging mir in dem Projekt darum, diesen Personen zuzuhören.
Mir war es wichtig, dass Menschen, die selber solche Erfahrungen gemacht haben, sich wiedererkennen können. Ich wollte eine Art der Autonomie schaffen oder vermitteln, dass Patient*innen alle Expert*innen sind über ihren eigenen Körper."

"Das ist etwas, was in meiner Arbeit immer wieder passiert: Ich interessiere mich für ein Thema, dann will ich das fotografieren und merke: Das kann man ja gar nicht fotografieren, weil man es nicht sehen kann. Und so ist es gekommen, dass ich mich auch immer mit Text beschäftige in meinen Arbeiten. Meine Arbeiten bestehen fast alle aus einer Kombination von Fotografie und Text, die auch nicht unbedingt hierarchisch ist.

Am Anfang habe ich das eigentlich eher als einen Mangel empfunden, dass ich nicht eine Fotografie haben kann, die alles sagt. Dann habe ich festgestellt, dass das einfach eine Art der Erzählung für mich ist, auch mit Text zu arbeiten. Meistens kommt der Text aber erst nach den Bildern. Das heißt, ich nutze Fotografie, um mich erst mal an ein Thema heranzutasten, um auch Oberflächen zu begreifen, um Strukturen zu erfassen mit fotografischen Bildern. Und dann, wenn ich an diese Grenze stoße, dann geht es in Text über. Die Bilder erforschen also für mich erst mal das Sichtbare. Und dann, wenn ich tiefer gehe, merke ich, da gibt es noch andere Dinge, die ich in Fotos nicht mehr transportieren kann. Und ich frage mich deshalb, weil das auch in meiner Praxis verwoben ist: Was kann ich sehen, was kann ich nicht sehen, was will ich eigentlich erzählen? Wie kann Fotografie dabei unterstützen, das zu sehen oder zu erzählen? Und wo sind ihre Limits?"

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